Kreisgruppe Bielefeld
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Kommunalwahl: Parteien zu Bauen und Wohnen

01. September 2025 | BUND, Energiewende, Klimawandel, Lebensräume, Mobilität, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Verkehr

Wahlprüfsteine: Antworten demokratischer Parteien auf Fragen des BUND. Teil 5: Bauen und Wohnen

Der BUND hat zur Kommunalwahl „Wahlprüfsteinen“ an demokratische Parteien geschickt. Zu acht Themen veröffentlichen wir die eingegangenen Antworten der Parteien. 

Hier folgt Teil 5: Antworten zum Thema Bauen und Wohnen 

 

5.1. Wird sich Ihre Partei für eine Reduzierung des Flächenverbrauchs einsetzen und dafür die bauleitplanerischen Grundlagen schaffen?

Wähler*innengemeinschaft Lokaldemokratie in Bielefeld - LiB

Bielefeld braucht neuen Wohnraum, aber nicht auf Kosten der Natur. Deshalb sagen wir klar: Nachverdichtung vor Neuversiegelung. Bevor wertvolle Grün-, Acker- oder Erholungsflächen an den Rändern bebaut werden, wollen wir die Potenziale innerhalb der Stadt besser nutzen. Das bedeutet: kluge Aufstockungen, Dachausbauten, Umnutzungen leerstehender Gebäude, Bebauung in zweiter Reihe, immer im Dialog mit den Menschen vor Ort und mit Blick auf die Qualität des Wohnumfelds.

SPD

Bielefeld wächst und benötigt auch Räum zum Wachsen. Die Mieten steigen und wir wollen mehr Wohnraum für bezahlbares Wohnen schaffen. Dabei geht für uns Verdichtung und Aufstockung in bestehenden Strukturen vor, aber das wird nicht ausreichen und wir müssen Flächen am Stadtrand nutzen, so flächenschonend wie möglich. Entsprechende Weichen wurden bereits in der vergangenen Ratsperiode gestellt und sollen in der Zukunft weiterverfolgt werden.

Die Linke

Boden ist nicht vermehrbar und unterliegt verschiedenen Interessen: Wohnen, Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft, Freizeit und Natur. Ein linkes Wohnungsbaukonzept setzt einen sorgsamen Umgang mit dem Flächenverbrauch voraus. Bielefeld benötigt aufgrund einer wachsenden Bevölkerung weiteren neuen Wohnraum und die Wirtschaft Gewerbeflächen. Eine Ausweitung des bebauten Gebietes muss auf das Notwendigste beschränkt werden und folgenden Kriterien unterliegen:

  • Neue Flächen für Wohnungsbau müssen optimal genutzt werden.
  • Eingeschossige Gebäude für den Wohnungsbau und auch für die gewerbliche Nutzung sollten nur mit besonderen Begründungen erlaubt sein.
  • Parkplätze sind vorrangig als Tiefgarage oder als Parkdeck auf Gebäuden zu planen.
  • Die Pflicht zur Erstellung von Parkplätzen (Stellplatzverpflichtung) ist in den Bebauungsplänen entsprechend des Ausbaus alternativer Mobilität zu reduzieren.
  • Schützenswerte Natur- und Ackerflächen sind für den Bau auszuschließen.

Die PARTEI

Jede Person hat Anrecht auf maximal 35qm Wohnraum plus Balkon, Paare auf 60qm und Familien 10qm für jedes Kind und 5,7 Punkte in die Rentenkasse. Mehr wird erstmal nicht gebaut.

BÜRGERNÄHE, Wähler*innengemeinschaft für Bielefeld

  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung, Umnutzung von Leerständen und Brachflächen.
  • Ein Leerstandsmanager für Wohnungen und Häuser soll sich um die Erfassung, Verwaltung, Neuvermarktung und Neunutzung von leerstehenden Immobilien einsetzen.

Bündnis 90 / Die Grünen

Vgl. Antwort zu 5.2.

Lobbyisten für Kinder

  • Bielefeld wächst und wir haben jetzt schon zu wenig bezahlbaren Wohnraum, gerade für Familien. Wir wollen der Flächenversiegelung, wo es geht, vorbeugen und Lücken bebauen, Aufstockung fördern oder Brachen für Wohnbebauung nutzen. Wir brauchen aber auch neue Flächen für die Menschen in dieser Stadt. Hier wollen wir die Entwicklung solcher Flächen mit regionalen Partnern und Genossenschaften fördern, die der Stadt verbunden sind und Interesse am Erhalt der Ressourcen haben.
  • Bei neuen Baugebieten muss immer die Anbindung an die Stadt durch entsprechende Radwege und den ÖPNV mitgedacht werden.

5.2. Wie werden Sie klimafreundliche Siedlungsstrukturen fördern, um den Bedarf an Wohnraum zu decken?

Wähler*innengemeinschaft Lokaldemokratie in Bielefeld - LiB

Wir fordern klare ökologische Standards bei städtischen Bauvorhaben, nachhaltige Baustoffe, Baustoffrecycling, die Nutzung von Dachflächen für PV und Begrünung, die Erhaltung und Sanierung von Bestandsgebäuden und eine Orientierung an Konzepten wie Passivhaus oder Plusenergie. Auch hier gilt: Die Stadt muss Vorbild und Motor sein – mit Förderprogrammen, Modellprojekten und einem politischen Bekenntnis zu ökologischer Baukultur. Eine lebenswerte Zukunft braucht Gebäude, die nicht nur schön, sondern auch klimafreundlich sind.

SPD

Um den ständig steigenden Bedarf an bezahlbaren Wohnraum zu decken, werden wir trotz Aufstockung und Verdichtung bestehender Siedlungen auch Flächen am Stadtrand nutzen müssen. Diese Flächen müssen so gut es geht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden und Versickerung des Wassers so gut es geht erlauben und klimaneutrale Wärmequellen nutzen. Wenn wir in die Fläche gehen müssen, dann muss es sich auch lohnen mit einer hohen Dichte der Bebauung bei guter Durchmischung der Baustruktur. In bestehenden Strukturen setzen wir uns für den Ausbau des Ö PNV und sichere Radwege ein sowie fußläufig erreichbare soziale Infrastruktur wie Schulen, Kitas, Märkte, Vereine, etc.

Die Linke

Siehe oben bei 5.1. 

Die PARTEI

Wir werden Gewerbe mit hohem Energiebedarf und Umweltbelastung enteignen und dann abreißen.

BÜRGERNÄHE, Wähler*innengemeinschaft für Bielefeld

Entwicklung von energieautarken Quartieren mit integrierten Grün- und Wasserflächen.

Bündnis 90 / Die Grünen

Wir beantworten die Fragen zusammen. Ja, wir setzen uns für eine Reduzierung des Flächenverbrauchs ein und möchten trotzdem angemessenen Platz für Wohnen und Gewerbe bereitstellen. Zum Thema Wohnen: Die Wohnfläche pro Person ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, es gibt eine steigende Anzahl von 1-Personen-Haushalten. Gleichzeitig stehen laut Zensus-Daten mehr als 3.000 Wohnungen längerfristig leer, zusätzlich wird Wohnraum vermehrt in Ferienwohnungen umgewandelt. Den Neubau auf der grünen Wiese hat die von Ihnen genannten Probleme und ist bei den stark angestiegenen Baukosten wenig geeignet um für geringere Mieten zu sorgen. Deshalb ist neben dem gezielten Wohnungsbau auf bereits versiegelten Flächen eine bessere Nutzung von Wohnraum im Bestand nötig. Genauer beschrieben haben wir deshalb folgende Ziele:

  • Wir wollen die Kapazitäten des Bauamts neu ausrichten: von Neubau zu Bauen und Wohnen im Bestand.
  • Leerstände und Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen oder dauerhafte Kurzzeitvermietung (z.B. AirBnB) wollen wir verringern, z.B. durch ein gezieltes Leerstandsmanagement und eine Wohnraumschutzsatzung.
  • Wir setzen auf Ansprache, Anreize, Werbung und Beratung für die bauliche Aufteilung von Wohnraum, Dachgeschossausbau, Aufstockung, gemeinschaftliches Wohnen und Umzüge in kleinere Wohnungen.
  • Die Geschosszahl in der Wohnbebauung wird, angepasst an die bauliche Umgebung, erhöht. Bei neuen Bauprojekten, z.B. auf den ehemaligen Kasernenflächen, sollen Neubauten mindestens vier Vollgeschosse haben.
  • Parkplatzflächen werden durch (Quartiers-)Parkhäuser und eine veränderte Stellplatzsatzung weniger öffentlichen Raum einnehmen.
  • Beim Bau von großflächigem Einzelhandel streben wir eine Kombination mit Wohnungsbau an.
  • Zum Thema Gewerbe: Wir setzen auf Innenentwicklung und Flächenrecycling vor der Neuausweisung im Außenbereich.
  • Der Ausweisung neuer Gewerbegebiete wollen wir neben einer Umweltprüfung und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung voraussetzen, bevor sie ressourcenschonend entwickelt werden.
  • Bestehende Gewerbegebiete wollen wir nachverdichten, bereits ausgewiesene Gewerbeflächen aktivieren und Gewerbebrachen recyceln, wie z.B. beim Wohn- und Gewerbestandort Am Metallwerk.
  • Priorität hat deshalb die Nutzung und Verdichtung bestehender Gewerbegebiete.
  • Wir streben zudem eine verstärkte (kleinräumige) Nutzungsmischung an: Der Erhalt von Gewerbe in direkter Nachbarschaft von Wohnraum trägt zu weniger Neubau und Flächenversiegelung und zudem kurzen Wegen bei.

Lobbyisten für Kinder

  • Wir werden im Rahmen der Bauberatung die Menschen über klimafreundliche Baustoffe aufklären und einen Förderatlas bereitstellen
  • Wir unterstützen den Ausbau von Fernwärme und wollen den Ausbau vorantreiben
  • Wir wollen ein Verbot von reinen Steingärten und werden planerische Mindeststandards für die Bepflanzung festlegen
  • Wir wollen klimaorientiertes Bauen fördern (Luftschneisen, durchlässige Bodenbeläge)

Zum Nachlesen die Wahlprogramme demokratischer Parteien: 

Lokaldemokratie in Bielefeld – LiB

Bürgernähe

Die PARTEI

SPD

Die Linke

Bündnis 90/Die Grünen

CDU

FDP

Lobbyisten für Kinder

Volt 

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