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ICE-Neubaustrecke: Umweltverbände widersprechen Fridays for Future Bielefeld

08. Juli 2025 | BUND, Klimawandel, Lebensräume, Naturschutz, Ressourcen & Technik, Verkehr

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der Bielefelder Natur-, Umwelt und Klimaschutzverbände

Mögliche neue Bahntrasse im Johannisbachtal mit neuer Talbrücke. Mit einer besonders filigranen Darstellung sollen die Dimensionen des Eingriffs vertuscht werden. Quelle: Deutsche Bahn

Bielefeld, 8.7.2025 | Sprecher von Fridays for Future Bielefeld haben sich gegenüber der Presse und im Stadtentwicklungsausschuss für den Neubau einer ICE-Trasse quer durch OWL ausgesprochen. Die Arbeitsgemeinschaft der Bielefelder Natur-, Umwelt und Klimaschutzverbände, in der u.a. BUND, NABU, Parents for Future und Naturwissenschaftlicher Verein Bielefeld mitarbeiten, widerspricht in einer Erklärung mit deutlichen Worten. 

Jürgen Birtsch, Vorstandsmitglied des BUND: „Seit über vier Jahren beteiligen sich Umwelt- und Klimaschutzverbände mit fundierten Argumenten am Diskussionsprozess um einen Ausbau der ICE-Verbindung nach Hannover. Dazu haben wir - online verfügbar - eine Vielzahl von Fakten zusammengetragen. Zusammen mit fast allen Kommunen und Bürgerinitiativen der Region und auch darüber hinaus sind wir uns einig: Eine flächenfressende neue Schnellbahntrasse ist weder klima- noch naturverträglich zu bauen“.

Für die Parents for Future ergänzt Dr. Barbara Burghardt: „Ein Ausbau entlang der Bestandstrasse, die in großen Teilen aktuell erst zweigleisig ausgebaut ist, kann schneller und vor allem kostengünstiger die Leistungsfähigkeit des Bahnnetzes erhöhen. Für die Verkehrswende muss sich der Bahnausbau vor allem auf den Regionalverkehr konzentrieren. Dort nutzen viele Menschen schon die Bahn und deshalb muss genau dort der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV besonders für Berufspendler gefördert und attraktiver werden“.

Dass wie von den Fridays Bielefeld behauptet, ein solcher Ausbau baulich nicht möglich und deutlich länger dauern würde, widerspreche den vorliegenden Fakten. Dazu erklärt Thomas Keitel für das Bündnis Verkehrswende: „Mit einer äußerst fragwürdigen Schwerpunktsetzung auf kostenträchtige Schnellbahntrassen und einem Zielfahrplan, der nach eigenen Angaben erst bis 2070 umzusetzen ist, werden die Klimaziele der Bahn deutlich verfehlt. Verantwortungsvolle Verkehrspolitik und Klimapolitik muss stattdessen besonders das Ziel verfolgen, mit kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen die Bahninfrastruktur zu verbessern und somit den Umstieg auf die Bahn zu forcieren.“

Irritiert sind die Umweltverbände besonders über die von einem Fridays-Sprecher geäußerte Geringschätzung der ökologischen Bedeutung betroffener Naturräume. Dazu erklärt der NABU-Vorsitzende Dr. Jürgen Albrecht: „Dabei wird übersehen, dass mit dem Bau von nicht nur einem, sondern zwei mächtigen Viadukten und dem dazwischen aufzuschüttenden Damm die Aue definitiv zerstört würde. Es handelt sich bei der Johannisbachaue um einen ökologisch besonders hochwertigen und sensiblen Naturraum, der sich durch bedrohte Biotope und einen großen Artenreichtum seltener und gefährdeter Arten auszeichnet. Im Bielefelder Gebiet ist er inzwischen aufgrund stark gestiegener Flächeninanspruchnahme nahezu einmalig. Zudem ist die Johannisbachaue für Bielefeld und Herford als Hochwasserschutzgebiet von immenser Bedeutung. Im weiteren Verlauf einer Neubautrasse würde sogar eine Vielzahl von schon ausgewiesenen Naturschutzgebieten zerstört. Und dies für einen Zeitgewinn von wenigen Minuten“.

Claudia Quirini-Jürgens, Vorsitzende des Naturschutzbeirat, ergänzt dazu: „Die ökologische Wertigkeit der Johannisbachaue wird seit Jahrzehnten durch Kartierungen der Pflanzen- und Tierwelt dokumentiert. Seit 2011 wird die Johannisbachaue zudem im Auftrag des Umweltamtes der Stadt Bielefeld durch die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld vegetationskundlich sowie hinsichtlich der Vögel, Insekten und Amphibien untersucht. Schon seit 30 Jahren werden auch die Ackerflächen der Johannisbachaue von der Biologischen Station im Auftrag des Umweltamtes untersucht. Dabei wurden überregional hoch bedrohte Arten von Ackerwildkräutern und Feldvögeln festgestellt. Die Ergebnisse belegen eindeutig die ökologische Wertigkeit der Johannisbachaue, auch aus überregionaler Sicht. Hierzu erstellte Gutachten liegen der Verwaltung und Politik vor, die Ergebnisse wurden mehrfach an verschiedenen Stellen veröffentlicht und sind für jeden einsehbar.“

Mit Blick auf die Zukunft müssen alle Generationen nicht nur die Klimakrise in den Blick nehmen. Genauso relevant ist die Biodiversitätskrise mit einem seit Jahrzehnten fortschreitenden Artensterben. Für eine lebenswerte Zukunft muss besonders ein intakter Naturhaushalt das Ziel sein.

Auf folgenden Seiten sind umfassende Informationen über die Fragwürdigkeit einer ICE-Neubaustrecke und den ökologischen Wert der Johannisbachaue verfügbar:

https://bielefeld.bund.net/themen-und-projekte/ice-trasse-bielefeld-hannover/

https://bielefeld.bund.net/service/meldungen/detail/news/ice-neubaustrecke-kein-beitrag-zu-mobilitaetswende-und-klimaschutz/

https://www.nabu-bielefeld.de/positionen-presse/ice-trasse-bielefeld-hannover/

https://www.bielefeld.de/sites/default/files/datei/2021/Monitoring2000.pdf

https://www.nwv-bielefeld.de/veröffentlichungen/band-51-59/band-53/

 

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