Vorzugsvariante V 3 für die ICE-Neubautrasse Bielefeld - Hannover. Ab Bielefeld-Schildesche würde diese Trasse die Bestandsstrecke verlassen und die Johannisbachaue sowie weitere wertvolle Schutzgebiete durchschneiden.
Für den geplanten Neubau der ICE-Trasse Bielefeld-Hannover hat die Bahn jetzt Vorzugstrassen veröffentlicht. Dazu hat die Neue Westfälische am 9.1.2026 den nachfolgenden Leserbrief von Dr. Godehard Franzen, Sprecher des Bündnisses „Mut zur Verkehrswende“, veröffentlicht:
Die Finanznot von Bund, Ländern und Gemeinden schreit zum Himmel. Wir müssen für die nächsten zwei Dekaden mit einer weiteren Verschärfung rechnen. Und trotzdem wird die Planung für ein sehr fragwürdiges Mammutprojekt mit einem voraussichtlichen Invest von über 10 Mrd. € und hohen Folgekosten vorangetrieben, so als gäbe es die Finanzprobleme nicht.
Die am 5.12. veröffentlichten Vorzugsvarianten für die favorisierte ICE-Neubaustrecke Bielefeld-Hannover überraschen nicht. Sie sind das erwartbare Ergebnis, das das Planungsteam offenbar von Anfang an im Auge hatte. Alle Beteuerungen über einen ergebnisoffenen Planungsprozess muss man zurückblickend als Makulatur bezeichnen. Schon bei der Auftaktveranstaltung im Januar 2021 wurden alle kritischen Fragen zu den Prämissen und Zielen des Deutschlandtakts und damit der ICE-Neubaustrecke Bielefeld-Hannover mit 31 Minuten Fahrzeit als Zielvorgabe konsequent ignoriert. Mit Fug und Recht muss man von einer Durchsetzungsplanung sprechen, die sich ein Dialog- und Beteiligungsmäntelchen umgehängt hat.
Ich nenne noch mal die für mich entscheidenden vier Argumente:
- Zum Klimaschutz wird die Neubaustrecke in den nächsten zwei bis drei Dekaden keinen Beitrag leisten, wenn überhaupt je.
- Die massiven Eingriffe in Natur und Landschaft sind durch den fraglichen Nutzen nicht zu rechtfertigen.
- Das Projekt ist unsäglich teuer, das Geld fehlt an anderer Stelle. Und niemand weiß, wie die Mittel am Ende aufgebracht werden sollen.
- Es ist mehr als fraglich, ob der Deutschlandtakt mit dem aktuell verfolgten Zielfahrplan je funktionieren wird. Der immer wieder bemühte Hinweis auf den Taktfahrplan in der Schweiz zieht nicht, weil die Schweiz ganz andere Bedingungen hat: Sie verzichtet auf Hochgeschwindigkeitsstrecken, hat bei der Infrastruktur ei ne hohe Qualität mit viel Redundanz und bei den Fahrplänen Zeitpuffer eingebaut.
Einmal eingeschlagene Pfade verlässt man nicht gerne. Pfadabhängigkeit nennen das die Soziologen. Aber in diesem Fall sind die Gegenargumente so gravierend, dass ein „weiter so“ unverantwortlich wäre. Der Deutschlandtakt mit dem aktuellen Zielfahrplan ist keine positive Vision, sondern eine Fata Morgana.
Dazu folgender Veranstaltungshinweis: Öffentlicher Infomarkt der Deutschen Bahn
19.01.2026, 17-20 Uhr: Hechelei, Ravensberger Park 6, 33607 Bielefeld
An einzelnen Ständen will das Projekt-Team der DB über die aktuellen Planungen der ICE-Trasse Bielefeld -Hannover informieren.