Kreisgruppe Bielefeld
Jetzt spenden Mitglied werden

Koalition zu aktuellen Baumfällungen: „Luft nach oben“ für den zukunftsfähigen Stadtwald

16. Mai 2022 | Bäume, Bielefelder Wald, Klimawandel, Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Die Koalition von SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE im Stadtrat unterstützt BUND-Forderungen zur Entwicklung des Bielefelder Stadtwaldes

Noch überwiegend gesunde Buchen im Stadtwald mit noch geschlossenem Kronendach. Der BUND fordert zum Schutz dieser Wälder hier auf Baumfällungen zu verzichten. Foto: BUND

Bielefeld 16.5.2022 | Zu den aktuellen, vom BUND kritisierten Baumfällungen im Stadtwald nehmen jetzt die Parteien der aktuellen Rathauskoalition Stellung. Wir freuen uns darüber, dass die dazu vom BUND-Kreisvorstand formulierten Forderungen von SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE weitgehend unterstützt werden.  Deshalb geben wir an dieser Stelle gerne die dazu heute veröffentlichte Pressemitteilung wieder: 

In den letzten Wochen sorgte die Fällung zahlreicher alter Eichen und Buchen im Bielefelder Wald für Unmut. Der BUND Bielefeld übte an den Fällungen massiv Kritik. Anhand des Zustands des Waldes, der durch Dürrejahre, Pilze und Krankheiten stark geschädigt ist, ist die Entnahme von gesunden Bäumen im Rahmen der Holzernte aus Sicht der Koalition aktuell nicht angezeigt.

Kai-Philipp Gladow, umweltpolitischer Sprecher SPD Ratsfraktion: „Auch bei der Ausweisung neuer Baugebiete sehen wir dringenden Handlungsbedarf. Wir müssen mindestens eine Baumlänge (30 Meter) Abstand zum Wald halten. Sonst drohen Fällungen zum Erhalt der Verkehrssicherheit und zum Schutz der Hausbesitzer*innen, die den Wald in seinem Erhalt gefährden. Bis 2005 war dieser Abstand verbindlich im Waldabstandserlass NRW geregelt. Leider wurde dieses gute Planungsinstrument zum Schutz von Mensch und Wald von CDU/FDP abgeschafft. Hier ist Handeln auf kommunaler, aber auch auf Landesebene angezeigt.“

Klaus Feurich, umweltpolitischer Sprecher GRÜNE Ratsfraktion: „Anstatt gesunde Bäume aus dem Bestand zu nehmen, die durch ihre Früchte die Naturverjüngung des Waldes unterstützen, müssen wir ernsthaft über ein Einschlagmoratorium nachdenken. Auch wenn Holz ein begehrter Roh- und Baustoff ist, müssen wir dem Wald Zeit lassen, sich zu erholen. Ernteschläge zur falschen Zeit gefährden die Zukunft unseres Waldes.“

Carsten Strauch, umweltpolitischer Sprecher LINKE Ratsfraktion:

„Aktuell erwarten wir das Bielefelder Naturwaldkonzept, das wir 2020 von politischer Seite in Auftrag gegeben haben. Unser Anliegen ist hierbei, dass Natur- und Klimaschutz dauerhaft vor der wirtschaftlichen Nutzung des städtischen Waldes stehen. Dabei sollen 10% des kommunalen Waldes als Naturwald komplett aus der Bewirtschaftung genommen werden. Hierbei sind hochwertige Waldbereiche (z.B. FFH und NSG) interessant, aber auch Kalamitätsflächen, auf denen die Fichten letztendlich vom Borkenkäfer zum Absterben gebracht wurden. Hier können wir wichtige Erkenntnisse über die Wiederbewaldung im natürlichen Prozess gewinnen.“

Bilder: Intakter Kronenschluss-Buchenwald 2019

Buchenwald im NSG Östlicher Teutoburger Wald bei Bielefeld (Jostberg, Haller Weg, Wanderweg A 3) im Herbst 2019: Den Hitze- und Dürrestress der Jahre 2018 und 2019 haben diese Waldbereiche gut überstanden. Vorteil im Vergleich zu freigestellten Bäumen: Dichter Kronenschluss, Beschattung der Böden und Stämme, ein kühles und feuchtes Waldinnenklima, Schutz der Böden vor Austrocknung und der Baumstämme vor Sonneneinstrahlung. 

 

Bilder: Buchensterben im Schirmschlag-Buchenwald 2019

Am Südhang des Teutoburger Waldes in Bielefeld sterben im Sommer 2019 Altbuchen. Nach extremer Dürre und Hitze sowie vorheriger starker Durchforstung mit Freistellung der Bäume ("Schirmschlag") zeigen die jetzt freigestellten Buchen Rindenschäden und Kronentrocknis. Am Boden Naturverjüngung. 

2019: Bei Peter auf dem Berg, am Sennberg, sterben Fichten

Nach dem Orkan Friederike kam der Borkenkäfer: Fichten am Sennberg bei Peter auf dem Berg sind bis zum Herbst 2019 auf großer Fläche abgestorben. Auf Teilflächen zeigt sich aber auch schon Naturverjüngung. Musste hier wirklich flächig abgeräumt werden? Sicher ist: Nicht überall sind Aufforstungen erforderlich. Der neue Wald ist auf Teilflächen schon da. 

Douglasie - Alternative für klimastabile Wälder? 

Bildstrecke: Noch intakte  Buchenwaldbereiche mit überwiegend gesunden Rotbuchen und dichtem Kronendach am Haller Weg und oberhalb des Haller Weges, September 2020.

Bildstrecke: Bilder von den BUND-Waldwanderungen am 6. September und 18. Oktober 2020. Wald im Dürre- und Klimastress. 

Bildstrecke: "Wald, Forst und Borkenkäfer"

Bilder aus dem Teutoburger Wald im Bereich Ebberg und Eiserner Anton: Großflächige Kahlhiebe von Borkenfichten-Monokulturen, Naturverjüngung unter abgestorbenen Fichten. Bayerischer Wald: Natürliche Wiederbewaldung in Naturwäldern.  

Bildstrecke: Neu-Aufforstungen von Fichten auf gerodeten Fichtenflächen am Sennberg, Teutoburger Wald, in Bielefeld 

Bildstrecke: Baumfällungen im Wald am Mondsteinweg, 14. April 2022

Bildstrecke: Baumfällungen im Bielefelder Stadtwald am Zehlendorfer Damm im April 2022

Zur Übersicht