Luftbild Flugplatz Bielefeld von Christian Ring, wikimedia, und Cessna172-1-768x475 von Peter Bakema - wikimedia
Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Gefahr mehr, sondern er ist Realität: Hitzerekorde, Hochwasserkatastrophen und Artenschwund sind unübersehbare Zeichen dafür, dass wir Menschen durch die bisherige Form der Energieerzeugung und -verschwendung unsere natürlichen Lebensgrundlagen gefährden.
2019 hat der Rat der Stadt den Klimanotstand erklärt. Alle Planungen sollen danach in Sachen Klimaverträglichkeit auf den Prüfstand. Also auch der Flugbetrieb und mögliche Baumaßnahmen auf dem Flugplatz Bielefeld.
Die aktuelle Bielefelder Rathauskoalition strebt Klimaneutralität bis spätestens 2045 an. Das wird nur gelingen, wenn der CO2-Ausstoß verbindlich reduziert wird, besonders auch im Bereich Verkehr. Dabei ist der Flugverkehr die nachweislich klimaschädlichste Fortbewegungsart. Keine andere Art der Fortbewegung verbrennt so viel Energie wie das Fliegen. Pro Personenkilometer verursachen Flugzeuge im Vergleich zu allen anderen Verkehrsmitteln die höchsten CO2-Emissionen.
Die Klimawirkung des Flugverkehrs setzt sich zum einen aus den direkten CO2-Emissionen sowie anderen Faktoren zusammen, wie insbesondere Stickoxide und Wasserdampf in hohen Luftschichten (Nicht-CO2-Effekte). Der Weltklimarat IPCC schätzt die Klimawirkungen dieser Faktoren zwei- bis fünfmal höher ein, als die durch CO2. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Klimawirkung des Flugverkehrs insgesamt weltweit bei 4,9 Prozent liegt.
Klimaschutz durch Reduzierung von Kurzstreckenflügen
Klimaschutz muss deshalb das Ziel verfolgen, den Flugverkehr zu reduzieren. Insbesondere gilt es, vermeidbare Kurzstreckenflüge auf die Schiene zu verlagern oder ganz zu vermeiden, beispielsweise durch das Ersetzen von Geschäftstreffen durch Videokonferenzen.
Aktuell nutzen nur einzelne Großunternehmen wie Tönnies und Oetker den Flugplatz Bielefeld für Geschäftsflüge. Mit den dafür am Platz stationieren kleinen Düsenjets steuern sie aber auch genauso oft ihre Feriendomilzile auf Sylt, an der Ostsee oder in der Schweiz an. Über 70 % der erfassten Flugbewegungen auf dem Platz sind Freizeitflüge.
Der Flugplatz Bielefeld ist auf solchen Kurzstreckenverkehr und Freizeitflüge ausgerichtet. Der aktuelle Flugbetrieb hier und erst Recht ein weiterer Ausbau widersprechen deutlich den Klimazielen der Stadt Bielefeld.
Den Klimazielen widerspricht auch, dass der Flugbetrieb von der Stadt Bielefeld und damit mit Steuergeldern subventioniert, also gefördert, wird. Der stadteigene Platz und die städtischen Gebäude wurden laut Mitbenutzungsvertrag gebührenfrei zur Verfügung gestellt! Davon profitieren auch mehrere am Platz ansässige Unternehmen, die z.B. mit Geschäftsflügen und Schulungsflügen ihr Geld verdienen.
Der BUND fordert: Mit der Subventionierung eines klimaschädlichen Flugbetriebs muss Schluss sein!
Innerdeutsche Flüge verursachen zwei Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Die Hälfte dieser Flüge könnten sofort auf die Schiene verlagert werden: Diese Reiseziele sind in maximal vier Stunden komfortabel mit der Bahn erreichbar. Dies würde nicht nur CO2 einsparen, sondern auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren.
Luftverkehr schädigt Menschen, Klima und Umwelt. Der BUND fordert daher ein Luftverkehrs- und ein Flughafenkonzept, das den Gesichtspunkten eines nachhaltigen und klimaverträglichen Luftverkehrs gerecht wird. Der Freizeitflugverkehr muss auf den Prüfstand, darf keinesfalls auch noch subventioniert werden. Kurzstreckenflüge müssen auf die Schiene verlagert oder vermieden werden.
In einem auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgerichteten Luftverkehrskonzept hat ein Flugplatz Bielefeld keinen Platz. Die Stadt Bielefeld hat es in der Hand, hier im Sinne des Gemeinwohls zu entscheiden. Denn gemäß §7 Abs. 4 des Mitbenutzungsvertrages hat sie das Recht, bauliche Veränderungen zu untersagen. Werden hier die Umwelt- und Klimaschutz-Belange angemessen gewichtet, hat der Flugplatz keine Zukunft.
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