Kreisgruppe Bielefeld

Heftige Starkregen: Regenwasserversickerungsanlage bewährt sich

10. September 2021 | Bäche, Flüsse & Gewässer, Klimawandel, Lebensräume

BUND: Stadt soll auf Umbau zu Rückhaltebecken endgültig verzichten

Regenwasseranlage Alleestraße unmittelbar nach Starkregen am 10.9.2021 - Blick von der Carl-Severing-Straße. Stehendes Wasser zeigt sich nur an wenigen Stellen. Foto: BUND

In Bielefeld standen am 10. September nach heftigen Starkregen Straßen, Wege und Keller unter Wasser. Auch in Quelle wurden zwei heftige Starkregen in kurzer Zeit mit jeweils über 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. BUND-Wasserexperten haben deshalb unmittelbar nach diesen Ereignissen die Regenwasserrückhalteanlage an der Alleestraße in Quelle untersucht. Hintergrund: Diese naturnahe Anlage soll nach Plänen der Stadt durch ein künstliches Rückhaltebecken ersetzt werden. Begründung: Die Leistungsfähigkeit der Anlage sei nicht ausreichend. Der BUND hatte dazu vor einem Jahr Stellung genommen, die Begründung der Stadt angezweifelt und den Erhalt gefordert. Danach kündigte die Stadt den „weitgehenden Erhalt“ an. Die Pläne sollten überarbeitet werden. Der Bau eines Beckens ist aber, so der BUND, damit noch nicht vom Tisch.

Die Situation an der Anlage nach den extremen Niederschlägen war laut Bericht des BUND überraschend. „Auf der Fläche war nur an wenigen Stellen Wasser zu sehen. Am tiefsten Punkt, neben der Carl-Severing-Straße, stand Wasser auf der verdichteten Finnbahn nur ca. 10 und 20 cm hoch“, so der BUND in der Stellungnahme. Der Niveauunterschied zur Carl-Severing-Straße betrage hier ca. zwei Meter. Bis es hier zu einem Überlaufen käme, müsste also noch sehr viel mehr Wasser nachkommen. Der BUND schätzt: „An dem Tag hätten auf dieser großen Fläche noch viele tausend Kubikmeter Wasser mehr zurück gehalten werden können.“ Einziges Problem: Durch von der Alleestraße abfließendes Wasser wurde der Gehölzschnitzel-Belag der Finnbahn teilweise abgeschwemmt. Aber auch hier, über 2 - 3 Meter unter dem Niveau der Alleestraße, gab es keine Überflutung, die von der Anlage ausging. Für das gesamte bebaute Umfeld der Anlage bestand keinerlei Überflutungsgefahr.

Die Versickerungs- und Rückhalteanlage habe sich damit ausgesprochen bewährt, so der BUND. „Auch die Versickerungsfähigkeit, die von Wasserexperten des Umweltbetriebes angezweifelt worden ist, ist offenbar noch gegeben. Sonst hätte es bei diesen Regenmengen einen höheren Anstau geben müssen. Die großen Wassermengen, die hier zurück gehalten wurden, konnten nicht in die Hochwasser führende Lutter laufen oder an anderen Stellen Keller fluten“, ist das Fazit des BUND. Es habe sich gezeigt, dass jeglicher Umbau zu einem Betonbecken unnötig sei. Der BUND fordert deshalb die Stadt auf, auf diese Planung jetzt endgültig zu verzichten. Die eingesparten Gelder sollten stattdessen in eine verbesserte Regenwasserversickerung und Rückhaltung in anderen Bereichen der Stadt verwendet werden. Durch den Bau ähnlicher Anlagen könnten Hochwasserprobleme in der Stadt wirksam reduziert werden.

 

Bildstrecke: Regenwasserversickerungsanlage an der Alleestraße nach zwei Starkregenereignissen mit insgesamt über 100 Liter Regen pro Quadratmeter am 10.9.2021

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