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Gewerbegebiet Christinen-Brunnen: BUND weist Vorwürfe der CDU zurück

07. September 2025 | BUND, Lebensräume, Naturschutz, Ressourcen & Technik

Mineralwasserunternehmens verzichtet auf die Erweiterungspläne. Als Grund wird die Marktentwicklung genannt. BUND fordert Rücknahme des Bebauungsplans.

Blick von der Aue des betroffenen Tüterbaches über das B-Plangebiet zum Ummelner Ortszentrum. Mehrere Meter hohe Industriebauten werden möglicherweise bald diesen Blick versperren. Foto: BUND  (Foto: BUND)

Bielefeld, 9.9.2025 | Der BUND sieht das an der Gütersloher Straße geplante Gewerbegebiet auch nach dem Rückzug der Firma Christinen-Brunnen kritisch und weist Vorwürfe der Brackweder CDU zurück. Die CDU hatte den Verzicht des Mineralwasserunternehmens auf die Erweiterungspläne laut Presseberichten auch auf die Aktivität „ideologisch agierender Naturschutzverbände“ zurückgeführt.

Dazu erklärt Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND-Vorstand: „Der BUND hat als Naturschutzverband sowohl im Verfahren zur Änderung des Regionalplans als auch beim anschließenden Bebauungsplan-Verfahren fachlich Stellung genommen. Diese Bedenken wurden weitgehend nicht berücksichtigt. Mit der jetzigen Entscheidung hat diese rechtlich geforderte Beteiligung nichts zu tun. Das Unternehmen Christinen-Brunnen selbst nennt für den Verzicht eindeutig wirtschaftliche Entwicklungen auf dem Mineralwassermarkt als Grund“.  

Der BUND erinnert daran, dass eigens für die geforderte Produktionserweiterung an dieser Stelle schon 2014 der Regionalplan geändert wurde. Der BUND habe immer darauf hingewiesen, dass ein Industriegebiet an dieser Stelle den Belangen des Grundwasserschutzes und Naturschutzes widersprechen würde. Die ca. 10 ha große Fläche liegt im Bereich der Wasserschutzzonen IIIA/B des Wasserwerkes Ummeln sowie im Landschaftsschutzgebiet. Ohne den 2005 vom Unternehmen Christinen-Brunnen geforderten Erweiterungsbedarf wäre es aus Sicht des BUND nie zur Ausweisung eines Gewerbe- und Industriegebietes an dieser Stelle gekommen.

Dr. Manfred Dümmer, Wasserexperte des BUND: „Die Stadtwerke Bielefeld GmbH haben im Sinne dieser Planungen sogar ihren ergiebigsten Brunnen im Stadtgebiet, den Sportplatzbrunnen in Ummeln, 2005 stillgelegt. Seinerzeit wurde seitens Politik und Verwaltung betont, dass mit einer „Lex Christen-Brunnen“ ein Bielefelder Betrieb gestärkt und der Erweiterung unbedingt zugestimmt werden sollte. Im Nachhinein können alle Beteiligten den Naturschutzverbänden dankbar sein. Wäre man den Stellungnahmen des BUND gefolgt, hätte die Fehlinvestition der Firma Christinen-Brunnen von Beginn an verhindert werden können“.

Warum Aufstellung und Inkrafttreten des Bebauungsplans fünf Jahre gebraucht haben, sollte die CDU bei Politik und Verwaltung nachfragen, so der BUND in seiner Erklärung. Dr. Manfred Dümmer: „Die Naturschutzverbände haben diese Bearbeitungszeit nicht verursacht, vielmehr nur ihre gesetzlich vorgesehen Beteiligungsrechte wahrgenommen. Da dieses Gewerbegebiet primär und exklusiv für die Firma Christinen-Brunnen auf den Weg gebracht wurde, sollte jetzt auch konsequenterweise der Bebauungsplan aufgehoben werden“. So sei es wieder möglich, dieses wertvolle Trinkwassereinzugsgebiet zu schützen. Eine solche Entscheidung entspräche auch dem Ratsbeschluss von 1989, nach dem in den Wasserschutzgebieten keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden sollen.

Christinen Brunnen nennt Gründe für den Verzicht auf die Erweiterung

In der NW vom 18.8.2025 nimmt das Unternehmen Christinen Brunnen ausführlich dazu Stellung, warum die lange geplante Produktionserweiterung an der Gütersloher Straße nicht weiter verfolgt wird. Geschäftsführer Finn Abraham sagt dazu: „Wir sind am Standort mit allen Anlagen gut aufgestellt“. Dass es keinen Bedarf mehr für eine Erweiterung gibt, habe auch mit Brüssel und der neuen Verpackungsverordnung zu tun. Das Unternehmen habe sich danach von den Tetra-Verpackungen komplett verabschiedet. Auch die Kundenstruktur habe sich verändert, sowohl in Deutschland, als auch in den Nachbarländern. Lebensmittelketten hätten mittlerweile eigene Mineralbrunnen und Betriebe. „Da verändert sich auch das Volumen“, so Abraham. Deshalb sei das Grundstück an der Gütersloher Straße verkauft worden.

Verantwortlich für den Rückzug sind also ausschließlich wirtschaftliche Gründe. Für die Behauptung der CDU, das Unternehmen habe "entnervt aufgegeben", weil "ideologisch agierende Naturschutzverbände" das Projekt ausgebremst und blockiert hätten, gibt es keine Belege. Eine Entschuldigung der CDU bei den Naturschutzverbänden wäre angemessen.

Bericht vom September 2020 

BUND-Stellungnahme Januar 2021

Naturschutzbeirat lehnt Gewerbegebiet ab (1/2021)

 

 

 

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