Kreisgruppe Bielefeld
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Kleintiertunnel: Kröten statt Kinder?

16. Juli 2026 | BUND, Lebensräume, Naturschutz

BUND: Auf Amphibienschutz an der Dornberger Straße nicht verzichten!

Bielefeld, 16.7.2026 | Der BUND begrüßt in einer Stellungnahme, dass der Landesbetrieb Straßen NRW als zuständiger Baulastträger in diesem Sommer eine dringend notwendige Sanierung der Dornberger Straße nutzen will, um zugleich auch für dauerhaften Amphibienschutz zu sorgen. Unbestritten ist es aus Sicht des BUND aber auch, dass die Baumaßnahme sehr schlecht kommuniziert und betroffene Bürgerinnen und Bürger viel zu spät darüber informiert wurden. Die Verärgerung vieler Menschen sei verständlich. Deshalb unterstützt der BUND die Anwohner bei ihrer Forderung, die angebotenen Umleitungsmöglichkeiten zu verbessern.

Zugleich weist der BUND aber auch auf die Bedeutung der Baumaßnahmen für den Natur- und Artenschutz hin. Dazu erklärt Jürgen Birtsch vom BUND-Vorstand: „Straßen sind der Tod vieler Amphibien. Sie müssen auf dem jährlichen Weg zu ihren Laichgewässern und zurück Straßen überqueren. Die Dornberger Straße in Bielefeld ist ein solcher Hotspot von Amphibienwanderungen“.

Bis zu 8.000 Tiere würden dort jährlich von ehrenamtlichen Helfern über die Straße getragen. Dazu würden jeweils in tagelanger Arbeit Amphibienzäune aufgestellt. Über mehrere Monate müssten dann Helfer*innen, auch bei widrigen Wetterbedingungen, täglich die in Eimern gesammelten Kröten, Frösche und Molche über die Straße tragen. Jürgen Birtsch: „Seit über 30 Jahren gelingt es nur durch einen aufwändigen ehrenamtlichen Einsatz, ein Aussterben der Amphibien-Populationen im Umfeld der Straße zu verhindern. Aber die Zäune bleiben ein Provisorium. Die Rückwanderung im Sommer müssen die Tiere alleine schaffen, und vielen gelingt das nicht. Dabei gibt es eine sichere und dauerhafte Alternative: Den Bau von Amphibienschutzsystemen mit Tunneln und Leitanlagen“.

Anwohner haben eine Online-Petition gegen die Vollsperrung gestartet. Diese wird mit einem Bild und dem Text „Kröten statt Kinder – wieder gibt es was Wichtigeres, als unser aller Zukunft“ beworben. Amphibientunnel böten, so die Petition, „Komfort für Amphibien“, während auf die Kinder massive Belastungen zu kämen, z.B. durch Umwege auf dem Weg zur Schule. In Zeiten knapper Kasse seien solche Ausgaben fragwürdig. Die FDP unterstützt das Anliegen und fordert, Straßensanierung und Amphibienschutz voneinander zu treffen, den Bau der Kleintiertunnel zu verschieben.

Der BUND hält dagegen, dass Maßnahmen zum Amphibienschutz hier besonders dringlich sind. Anke Werning vom BUND-Vorstand: „Die notwendige Straßensanierung ist die Chance, hier wirksamen und dauerhaften Amphibienschutz endlich umzusetzen. Ein Verzicht jetzt würde bedeuten, dass jahrelang an der Dornberger Straße nichts für den Artenschutz passieren wird. Denn wer kann es verantworten, in wenigen Jahren eine gerade frisch sanierte Straße an mehreren Stellen erneut aufzureißen? Wer kann es verantworten, dass dafür dann im Vergleich zur jetzt geplanten Maßnahme in erheblichem Umfang Mehrkosten aufgebracht werden müssten?“

Es geht hier, so der BUND, um viele gefährdete, im Bestand bedrohte Tierarten. Jürgen Birtsch: „Es geht um eine wirkungsvolle Absicherung der Wanderwege von Amphibien und anderer Kleintiere. Es geht damit um die langfristige Sicherung eines intakten Naturhaushaltes, damit auch um die Zukunft unserer Kinder“. Das Motto dürfe deshalb nicht heißen „Kröten statt Kinder“, es müsse lauten „Kröten UND Kinder“. 

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