Kreisgruppe Bielefeld

Johannisbachaue: Freizeitsee kontra Weißstörche

13. September 2020 | Bäche, BUND, Lebensräume, Naturschutz

BUND: Ratsbeschluss zur Unterschutzstellung der Johannisbachaue endlich umsetzen

Weißstörche brüten seit einigen Jahren wieder in der Johannisbachaue  (Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz)

Mit Entsetzen reagieren Bielefelder Naturschützer auf die erneuten Überlegungen für einen Freizeitsee in der Johannisbachaue. „Was ist an diesem künstlichen Freizeitsee ökologisch, der einen naturnahe Bachlauf und seine ökologisch wertvolle Bachaue zerstört?“, fragt Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND. Hier von „Naturkleinod“ und „Naturerleben“ zu sprechen sei Augenwischerei und diene nur dazu, ein zweifelhaftes Projekt schön zu reden. Das Konzept bringt auch nichts Neues: Es entspricht nur leicht modifiziert dem schon 2014 von der gleichen Initiative präsentierten Projektplan. Von einer „ökologischen Aufwertung der Aue“ könne, so der BUND überhaupt nicht die Rede sein. Vielmehr würde die naturnahe Aue im Bereich des Sees vollständig zerstört.

Die Aue des Johannisbaches hat zusammen mit dem naturnahen Bachlauf und den Grünlandbereichen einen besonderen Wert für den Naturschutz in dieser Stadt. Einen vergleichsweise naturnahen Lebensraum gibt es an keine anderen Stelle im Stadtgebiet. Ein Stausee in welcher Form auch immer würde diesen Lebensraum zerstören. Hier von "Naturschutz" und "ökologisch wertvoller" zu sprechen ist völlig abwegig. Für die von der Initiative genannten Tierarten gib es im Bereich des Obersees und in der Aue genügend Lebensräume. An Wasservögeln würden die gleichen häufigen Arten angelockt, die schon den Obersee besiedeln und hier - verschärft durch Fütterungsaktionen - Probleme verursachen. Ein massives Fischsterben in diesem Sommer wurde dadurch verursacht. Verloren geht bei einem Stausee ein wertvoller naturnaher Fließgewässerabschnitt. Verloren gehen auch große ökologisch wertvolle Grünlandflächen, die als Kern des künftigen Naturschutzgebietes aktuell mit Heckrindern gepflegt werden. Verloren gehen wertvolle Nahrungshabitate für den Weißstorch und andere gefährdete Arten wie z.B. den Kiebitz.

Entstehen würde ein Stausee, dessen Wasser wohl kaum Badewasserqualität erreichen dürfte. Dazu ist das Wasser des Zuflusses zu stark mit Nährstoffen belastet. Entstehen würde ein intensiv genutzter Freizeitsee mit besonders im Sommer großem Besucheransturm. Wie bei einer solchen Beunruhigung dort künftig noch Weißstörche und andere seltene Vogelarten leben sollen, wie die Initiatoren behaupten, ist nicht nachvollziehbar.

Die Stadt hat nach langer Planungsphase aus guten Gründen beschlossen, die Johannisbachaue als Naturschutzgebiet auszuweisen und für die naturbezogene Erholung zu entwickeln. Ein  umfasendes Konzept für die Entwicklung dieses Gebietes liegt inzwischen vor. Nach der jetzt anstehenden Meldung für den Regionalplan steht der Ausweisung als Naturschutzgebiet nichts mehr im Wege. 

Zu einem möglichen Untersee ist, so der BUND, vor vielen Jahren schon alles gesagt und ausgetauscht worden. Das Ergebnis war eindeutig: Der Rat der Stadt hat die Planung abgelehnt und der Ausweisung als Naturschutzgebiet zugestimmt. Seit diesem Beschluss hat sich die Lage im Naturschutz weiter zugespitzt. Die neuen Daten zum Arten- und Insektensterben haben die Öffentlichkeit alarmiert. Naturschutz ist wichtiger denn je. Auch die Klimakrise zwingt besonders in Siedungsräumen dazu, wertvolle Grün- und Freiflächen zu erhalten. Die Stadt hat sich mit Ausrufung des Klimanotstandes dazu bekannt. Aus Sicht des BUND ist es gerade in dieser Situation völlig abwegig, ein solch großes ökologisch besonders wertvolles Naturgebiet einem Freizeitsee zu opfern.

„Dass in der Aue wieder erfolgreich Weißstörche leben, zeigt den besonderen ökologischen Wert dieses Gebietes“, so Jürgen Birtsch vom BUND-Vorstand. Die Störche würden durch einen See wieder verdrängt, weil ein Großteil der Nahrungshabitate verloren gingen. Dazu gehörten auch die Ackerflächen, die entgegen der Behauptung des Projektplaners überwiegend biologisch bewirtschaftet werden.

Das Konzept für das Naturschutzgebiet Johannisbachaue liegt seit Jahren vor. Die dafür noch notwendige Änderung im Regionalplan hätte aus Sicht des BUND längst veranlasst werden können. Der BUND fragt: Warum ist das noch nicht geschehen? Das Beispiel Christinen-Brunnen in Ummeln zeige doch, wie schnell es geht, wenn Interessen für eine Bebauung verfolgt werden und dafür Landschaftsschutz aufgehoben werden muss. Warum geht das nicht auch bei einem Naturschutzprojekt? 

Wir fragen auch die Hochschule Lippe: Wie kann es sein, dass Studierende und Mitarbeiter dieser öffentlichen Einrichtung mit der Planung solch zweifelhafter Projekte befasst werden. Der Hochschule dürften die Entscheidungen der Stadt Bielefeld zu diesem Projekt und das Konzept für ein Naturschutzgebiet doch bekannt sein. Wie kann es sein, dass jetzt durch Einsatz öffentlicher Mittel von Höxter aus dagegen gearbeitet wird.

Mit Blick auf die Kommunalwahl am 13.9. erwarten wir von allen Parteien und dem neuen Stadtrat, dass die vom Rat beschlossene Naturschutzgebiets-Ausweisung jetzt endlich umgesetzt wird. Die Glaubwürdigkeit von Politik darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. 

Aktueller Bericht in der NW vom 15.9.2020

Bericht im Westfalenblatt vom 12.9.2020

Bericht der Neuen Westfälischen vom 25.8.2020

Flyer der Stadt zum Heckrinder-Projekt in der Aue

Monitorungbericht zum Naturschutz in der Johannisbachaue

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