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Erfahrungsbericht: Ein Jahr Wärmepumpe

26. November 2025 | BUND, Energiewende, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik

Die Wärmewende ist bezahlbar und ökologisch. Ein Erfahrungsbericht.

Wärmepumpe für ein Mehrfamilienhaus. Foto: BUND

Die Wärmeversorgung von Gebäuden ist für knapp 20 Prozent der CO2 Emissionen in Deutschland verantwortlich. Die Abhängigkeit von fossilem Gas und Öl hat in den letzten Jahren zu massiven Kostensteigerungen und Unsicherheit beim Heizen geführt. Hohe Heizkosten belasten immer mehr Menschen. Um langfristig klimaschonend und für alle finanzierbar zu Heizen, müssen wir auf erneuerbare Wärme setzen. Wärmepumpen sind eine bewährte und bezahlbare Lösung, wie der folgende Erfahrungsbericht zeigt. 

Wärmepumpe ersetzt Gasheizung

Im Oktober 2024 haben wir unsere Luft-Wärmepumpe in Betrieb genommen. Unsere alte Gasheizung war nicht mehr voll funktionsfähig. Deshalb standen wir unter Zeitdruck, vor dem nächsten Winter eine neue Heizung installieren zu lassen. 

Unser Haus (3 Parteien mit 236m² Wohnfläche) ist aus den 1930er Jahren und hat eine Energiekennzahl von 139 kwh/m². Zur Orientierung: 50 kwh/m² gilt als ideal, 200 kwh/m² als schlecht. Das Haus hat eine nachträgliche Dämmung durch Ausblasen der Hohlräume zwischen den Mauerwerken erhalten. 

Als Erstes haben wir eine gute Vor-Ort-Energieberatung durch die Verbraucherzentrale mit schriftlichem Bericht erstellen lassen. Das hat nur 40,00 EUR gekostet. Als Orientierungsberatung empfehlen wir das unbedingt. Die Stadt Bielefeld bietet sogar kostenfreie Beratungen an. Fazit der Energieberatung: Unser Haus ist für eine Wärmepumpe geeignet. 

Es folgte der zweite Schritt: Angebote einholen. Das war aufgrund der guten Auslastung der Handwerksbetriebe nicht ganz einfach. Entschieden haben wir uns nicht für das günstigste Angebot, sondern für einen örtlichen Fachbetrieb. 

Förderung nur für die eigene Wohnung

Die Beantragung mit Hilfe des Fachbetriebes und die Zusage der Erstattung bei der KfW lief problemlos. Es gibt eine Grundförderung mit Effizienzbonus von 35% und einen Geschwindigkeitsbonus von 20% vom Kaufpreis. Hier ist die Höchstförderungssumme für das jeweilige Haus zu beachten. Überraschung: Die Förderung für den Geschwindigkeitsbonus wurde nur für die eigene Wohnung gewährt. Das bedeutet bei drei Parteien im Haus, wurde nur ein Drittel der 20% erstattet.

Der Einbau der Wärmepumpe lief innerhalb einer Woche problemlos. Es musste keiner der aus den 1970er Jahren stammenden Heizkörper getauscht werden, ein Tausch der Ventile genügte. 

Überblick über die Kosten

Die Wärmepumpe hat inkl. Montage ca. 45.000 EUR gekostet. Wir haben eine Förderung von insgesamt ca. 19.000 EUR erhalten. Der Eigenanteil betrug also ca. 26.000 EUR.  Zum Vergleich: Für einen Gas-Brennwertkessel hätten wir ca. 10.000 EUR weniger zahlen müssen.

Hinzu kamen noch Kosten für den Ersatz des völlig veralteten Schaltschranks. Eine Investition, die auch bei einem Gaskessel angefallen wären. Ein Teil davon konnte auch über die Förderung mit abgerechnet werden. Um bösen Überraschungen vorzubeugen, sollte man diese möglichen Zusatzkosten (Schaltschrank etc.) in alten Häusern vorher prüfen lassen und berücksichtigen. Noch ein Hinweis zur Finanzierung: Es können auch zinsgünstige Darlehen über die KfW bezogen werden.

Die Betriebskosten konnten von den Vorjahren mit Gasheizung in Höhe von ca. 2.700 -  2.800 EUR auf ca. 2.300 EUR gesenkt werden. Mit der Wärmepumpe erzielen wir also eine Einsparung von ca. 400 bis 500 EUR jährlich

Unser Fazit: Keine Angst vor neuer Technik:

Auch Altbauten sind für Wärmepumpen geeignet. Aber: Gut beraten lassen, jeder Altbau ist anders. Zeit lassen! Eventuell hätten wir noch ein günstigeres Angebot erhalten. Unsere Investitionen für die Wärmepumpe dürften sich nach 20 Jahren Laufzeit im Gegensatz zum Einbau einer Gasheizung amortisieren. Erst recht, wenn der Gaspreis, u.a. durch höhere CO²-Bepreisung, weiter steigt. Und nicht vergessen, wir beziehen Ökostrom, sparen jährlich ca. 4.000 kg CO² ein und sind beim Heizen jetzt klimaneutral!

Umweltpolitisches Fazit

Der Weg zur Klimaneutralität geht nur ohne fossile Brennstoffe im Heizungsbereich. Kollektive kommunale Lösungen wie Fernwärme oder Nahwärmnetze sind in der Regel günstiger, aber nicht überall zu haben. Die Hoffnung, später von Gas auf Wasserstoff oder Biogas umzustellen, sind aufgrund höherer Kosten und fehlender Verfügbarkeit Scheinlösungen. Die Förderung für Wärmepumpen im Altbau dürfen auf keinen Fall reduziert werden, ganz im Gegenteil in der unteren bis mittleren Einkommensgruppe sollte die Förderung noch erhöht werden. 

Bericht: Carsten Strauch / Kreisvorstandsmitglied im BUND Bielefeld

Kontakt für Rückfragen / Anregungen carsten.strauch(at)bund-bielefeld.de

Infos und Tipps für Beratung

Verbraucherzentrale

Stadt Bielefeld

Förderung KfW Wärmepumpe etc.

BUND zum Heizungsgesetz

 

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