Baderbach im naturnahen Auenwald südlich der Oldentruper Straße: vollständig ausgetrocknet. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Bielefeld, 18.8.2026 | Nicht nur der Rhein trocknet aus, die langanhaltende Trockenheit gefährdet nicht nur die Schifffahrt auf großen Flüssen. In Bielefeld sind schon zahlreiche Bachläufe trockengefallen, und die dort lebenden Tiere und Pflanzen sind akut in Gefahr. Darauf macht jetzt der BUND aufmerksam, und der Umweltverband fordert Maßnahmen, um den Wasserrückhalt in der Landschaft zu verbessern. Dass Bäche in diesem Umfang trockenfallen zeigt, dass die Klimakrise auch in Bielefeld angekommen ist, und dass deshalb entschlossene Klimaschutzmaßnahmen und Anpassungsmaßnahmen dringlich sind.
Wo Kleingewässer, Quellen und Bäche versiegen, sterben ganze Lebensgemeinschaften. Viele an fließendes Wasser angepasste Arten sind in akuter Gefahr. BUND-Mitglieder sind in den letzten Tagen viele Bachläufe abgegangen. Häufig hat der BUND nur noch stellenweise stehendes Wasser festgestellt. Einzelne Bäche sind abschnittweise schon völlig ausgetrocknet wie z.B. Elpke, Baderbach und Babenhauser Bach. Mit Bildern hat der BUND das auf seiner Website dokumentiert.
Besonders tragisch ist das Austrocknen der Elpke, deren Oberlauf zwischen Detmolder Straße und Stadtbahnlinie 3 vor wenigen Jahren als Naturerlebnispfad umgestaltet wurde. Die Mündung der Elpke in den Baderbach liegt in einem naturnahen Wäldchen südlich der Oldentruper Straße. Das ist als naturbelassener Auenwald ein Juwel der Bielefelder Bachnatur, oder war es, denn aktuell sind hier beide Bachläufe ausgetrocknet.
Lebensgemeinschaften der Bäche sterben
In den trockengefallenen Abschnitten sterben zahlreiche Bachlebewesen, zum Beispiel Bachflohkrebse, Eintagsfliegenlarven, Strudelwürmer oder Köcherfliegen. Fast alle Bäche werden auch von Kleinfischen wie Gründlingen, Stichlingen oder Groppen besiedelt. Da sie beweglich sind, konnten sie vielleicht noch in wasserführende Abschnitte ausweichen, sofern Wanderbewegungen möglich sind bzw. waren. Denn viele Gewässer sind leider stellenweise verrohrt, oder Abflussbarrieren wie z.B. Staustufen bilden unüberwindbare Hindernisse. Auch für Kleintiere wird es deshalb schwer, ausgetrocknete Bachabschnitte wieder zu besiedeln. Einen Vorteil haben dabei Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Libellen, die als Larven im Wasser leben, und als ausgeschlüpfte Insekten bachaufwärts fliegen können.
Hoffnung auf Regeneration macht, dass es vereinzelt in trockenen Bächen noch Wasser führende Restabschnitte bzw. Kolke gibt, in denen Tiere überleben können. Am Oldentruper Bach haben wir zum Beispiel einen Abschnitt gefunden, wo sich Schwärme von Gründlingen einen solchen Bereich gesucht haben.
Feuchtgebiete schützen, Bäche renaturieren
Feuchtbiotope gehören schon lange zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen, und die Klimakrise setzt ihnen mit langen Dürrephasen weiter zu. Viele der dort lebenden Arten sind auf dem Rückzug. Nach sinkenden Wasserständen werden die typischen Sumpfpflanzen und auf Wasser und Feuchtigkeit angewiesene Tierarten durch andere, weit verbreitete Arten trockener Standorte verdrängt. Sie können auch nicht ausweichen, wenn überall das Wasser fehlt. Es besteht durch solche Trockenphasen die Gefahr, dass die ohnehin im Bestand gefährdeten Arten der Feuchtgebiete lokal oder regional aussterben.
Der BUND fordert deshalb verstärkte Anstrengungen zum Schutz und der Renaturierung von Fließgewässern und Feuchtgebieten. Insgesamt müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, mehr Wasser in der Landschaft zurück zu halten. Dazu können auch Maßnahmen zur Klimaanpassung wie der Schutz von Grünflächen Pflanzung von Bäumen. Niederschlagswasser muss vor Ort zurück gehalten und zur Versickerung geführt werden. Viele solche Maßnahmen können eine Entwicklung zur „Schwammstadt“ fördern.
Klar ist aber auch: Je stärker sich die Klimakrise zuspitzt, desto schwieriger wird gerade der Schutz von Gewässerlebensräumen. Die Anstrengungen in den Klimaschutz müssen auch in Bielefeld verstärkt werden. Dass die Stadt wie kürzlich auf einer Klimakonferenz mitgeteilt ihre Klimazielen weiter hinausschieben will, ist das völlig falsche Signal.
Die Klimakrise zwingt zum Handeln!
„Die Hitze erzwingt einen Bewusstseinswandel“, schreibt die NW in einem Kommentar zur aktuellen Situation. Die Klimakrise erfordert auch in Bielefeld entschlossenes Vorgehen in Sachen Klimaschutz und Klimaanpassung.
Der Politik schlagen wir dazu folgende Maßnahmen vor:
- Festhalten an den beschlossenen Klimazielen der Stadt und Umsetzung der dafür notwendigen Maßnahmen. Unterstützung der nationalen Klimaziele durch Ausstieg aus fossiler Energie, Förderung von Solar- und Windenergie, Forcierung der Wärmewende, Verkehrswende durch Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und Ausbau des Radwegenetzes.
- Die weitere städtebauliche Entwicklung mit der Neuausweisung von Baugebieten muss klimaverträglich und nachhaltig erfolgen.
- Die Renaturierung von Bächen muss im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie und der beschlossenen Umsetzungsfahrpläne konsequent fortgesetzt werden. Besonders wichtig: Querbauwerke zurück bauen, verrohrte Gewässerabschnitte frei legen, mehr Platz für die natürliche Bachentwicklung und die Zurückhaltung von Wasser in den Auen. Wo möglich muss zur Wiedervernässung von Feuchtgebieten, besonders Bach- und Flussauen, beigetragen werden.
- Die natürliche Waldentwicklung (“Auwald“) besonders im Bereich der Fließgewässer zulassen. Beschattung reduziert die Gefahr der Austrocknung von Gewässern. Naturnahe Waldentwicklung verbessert insgesamt die Leistung des Waldes als Wasserspeicher. Das Naturwaldkonzept im Stadtwald deshalb weiter umsetzen.
- Die Speicherung von Wasser in der Landschaft durch geeignete Maßnahmen im Sinne der Entwicklung zur „Schwammstadt“ verstärken. Naturnahe Grünflächen als natürlicher Wasserspeicher schützen und neu anlegen. Baumschutz und Baumpflanzungen besonders dort, wo sich die Stadt aufgrund hoher Flächenversieglung besonders aufheizt.
Bericht der NW vom 20.8.2026 (link)
Bericht der NW vom 20.8.2026 (Bilddatei)
Bildstrecke: Klimakrise - Trockene Bäche 2026
Nach extremer Dürre fallen im Sommer 2026 viele Bäche in Bielefeld trocken. Bilder vom 12. bis 15. August 2026.
Baderbach im naturnahen Auenwald südlich der Oldentruper Straße: vollständig ausgetrocknet. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Baderbach im naturnahen Auenwald südlich der Oldentruper Straße: fast vollständig ausgetrocknet. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Baderbach im naturnahen Auenwald südlich der Oldentruper Straße: vollständig ausgetrocknet. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Baderbach mit Restwasser südlich der Oldentruper Straße. Unter Steinen Bachflohkrebse. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Baderbach mit Restwasser südlich der Oldentruper Straße. Unter Steinen Bachflohkrebse. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Baderbach mit Restwasser südlich der Oldentruper Straße. Unter Steinen Bachflohkrebse. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Emslutter unterhalb der Quelle und nahe dem Freibad. Starke Quellschüttungen aus dem Teuto sorgen für einen noch durchgehend wasserführenden Bach. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Emslutter unterhalb der Quelle und nahe dem Freibad. Starke Quellschüttungen aus dem Teuto sorgen für einen noch durchgehend wasserführenden Bach. Foto: A. Niemeyer-Lüllwitz
Gellershagener Bach: Von der Hainteichstraße bis zur Einmündung des Grenzbaches trocken. Foto: R. Massmann.
Baderbach im naturnahen Auenwald südlich der Oldentruper Straße: ist fast vollständig ausgetrocknet. Foto: J.U. Korff