Kreisgruppe Bielefeld
Jetzt spenden Mitglied werden

BUND kritisiert Rodung des Möller-Waldes an der Brockhagener Straße

01. März 2022 | Bäume, Bielefelder Wald, BUND, Klimawandel, Naturschutz

Waldrodung in einem „Naturschutzvorranggebiet“ und künftigen „Bereich zum Schutz der Natur“ - wie ist das möglich? 

Rodung Möllerwald im Februar 2022. Foto: BUND

In den letzten Februartagen ist der Möller-Wald an der Brockhagener Straße fast komplett gerodet worden. Über 20 ökologisch wertvolle ca. 80-100 jährige Eichen und hunderte junger Bäume fielen den Baumfällungen zum Opfer. Der mehrere Hektar große Wald gehört der Möller Group. Der BUND fragt nach den Gründen und der Rechtsgrundlage für diesen massiven Eingriff. „Sollten hier vor einer möglichen Unterschutzstellung noch schnell Tatsachen geschaffen werden? Nach dem Entwurf für den neuen Regionalplan ist der komplette Wald als „Bereich zum Schutz der Natur“ (BSN) vorgesehen. Im Zielkonzept Naturschutz der Stadt Bielefeld wird er aufgrund seiner ökologischen Bedeutung als „Naturschutzvorranggebiet“ bewertet. Der Wald ist auch als Teil eines geplanten Naturschutzgebiets Luttertal vorgesehen, zu dessen möglicher Ausweisung die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben hat“, so der BUND in einer an die Stadt gerichteten Stellungnahme.

Konkrete Pläne für eine Bebauung sind bisher nicht veröffentlicht worden. Bei der Suche nach einer Rechtsgrundlage findet sich im Onlineservice der Stadt der alte Bebauungsplan „Kupferhammer“ mit Nutzungsplan von 1983, dessen Textteil 2010 geändert wurde. Demnach ist eine Teilfläche des gerodeten Waldes für eine mögliche gewerbliche Nutzung vorgesehen. Eine große Fläche an der Heinemannstraße ist danach aber als Wald festgesetzt. Ein Blick auf den Landschaftsplan der Stadt zeigt, dass Teile auch als Landschaftsschutzgebiet geschützt sind. Auch der Flächennutzungsplan entspricht dieser Darstellung.  

„Seit 1983 hat sich die Umweltsituation grundlegend verändert. Das Artensterben und der Klimawandel zwingen zu einer Neubewertung aller Bebauungsplanungen“, so BUND-Vorstandsmitglied Jürgen Birtsch. Und weiter: "Die Stadt hat den Klimanotstand erklärt. Alle Planungen müssen danach bezüglich Klimarelevanz auf den Prüfstand. Jede Waldfläche ist mit Blick auf das Stadtklima besonders schützenswert". Den Möllerwald bewertet das Klimaanpassungskonzept der Stadt mit der höchsten Schutzpriorität. Eine bauliche Entwicklung sei hier danach nicht empfehlenswert.

Auch wenn jetzt mit den Baumfällungen Tatsachen geschaffen wurden, fordert der BUND einen Erhalt als Waldfläche und eine Wiederaufforstung. Sollte es Planungen für eine Bebauung geben, müssten diese Pläne unverzüglich veröffentlicht werden. In einem solchen Fall müsste auch der klima- und naturschutzpolitisch überholte Bebauungsplan in einem Beteiligungsverfahren neu geprüft und erörtert werden. Aufgrund der Bedeutung der Waldfläche als Puffer zwischen Lutteraue und Gewerbeflächen sowie der schon intensiven gewerblichen Nutzungen im Umfeld müsse hier auf eine Bebauung verzichtet, der Bebauungsplan aufgehoben und der Flächennutzungsplan geändert werden. In diesem Sinne fordert der BUND, dass sich der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz und der Naturschutzbeirat mit der Waldrodung und der Zukunft dieser Waldfläche befassen.

Stellungnahme des BUND zur Zukunft des Möllerwaldes (PDF) 

Präsentation für den Naturschutzbeirat, 15.3.2022

Luftbilder und Karten zum Möllerwald (PDF)
Das Bauamt der Stadt schreibt in einer Stellungnahme: "Auf dem Baugrundstück hatte sich in den vergangenen Jahren ein Baumbestand entwickelt, der nun im Rahmen der anstehenden Baumaßnahmen gerodet wurde". Die Möller Group behautptet, bei der Fläche habe es sich nicht um Wald gehandelt. Dabei gibt es den Wald hier seit mindestens 1939 wie einen  Luftbildauswertung belegt. Bis mindestens 2008 war es danach noch ein geschlossener Wald, dann wurde begonnen, ihn auszulichten. 

Pressebericht Neue Westfälische 9.3.2022 (1)

Pressebericht Neue Westfälische 9.2.2022 (2)

Pressebericht Westfalenblatt 3.3.2022 (1)

Pressebericht Westfalenblatt 3.3.2022 (1)

 

 

Bildstrecke: Möllerwald 2021 und 2022 nach einer Teilrodung sowie Karten zum Schutz  

Zur Übersicht